Mittwoch, 29. Juni 2016

Sind wir abgeschrieben?

Es gibt kaum eine unscheinbarere, brotlosere und undankbarere Form der Kunst, als die des Schreibens. Kaum eine Branche ist so überfüllt von Möchtegern Künstlern, wie diese! Ich lebe in einer Generation, in der sich fast jeder Blogger, Schriftsteller oder Journalist nennt, nur weil man meint, mehr als zwei Sätze richtig schreiben zu können. So als würde jemand sich als Künstler bezeichnen, nur weil man einen Regenbogen nachmalen kann. Es ist heutzutage allgemein schon schwer für ein Individuum. Alle wollen einzigartig sein und dabei wirken Sie alle doch so gleich. Generation „vermeintlich anders“.

Bei so eine Generation ist es schwer, sich mit der Schreiberei zu etablieren. Ständig neue Ideen zu haben, ständig aktuell zu bleiben und dann noch Worte zu finden, die durchdacht und natürlich auch kreativ sind, ist keine leichte Aufgabe. Und um so mehr etwas nachgemacht wird, macht es den Anschein, als wäre es das einfachste der Welt über ein Thema, was einen persönlich vielleicht gar nicht interessiert. Selbst wenn man es geschafft hat bei so einer Online Plattform, wie die #Huffingtonpost zu schreiben, ist man noch lange nicht da angekommen, wo man hin möchte. Denn viele Verlage und Plattformen für angehende Journalisten beuten einen förmlich aus. Man schreibt für ein Hungerlohn (wenn man überhaupt dafür bezahlt wird) und wird nicht einmal von seinem Publikum, welches man erreichen will wahrgenommen. Auf diverse Likes ist ebenso zu verzichten, wenn man Themen anspricht, die tiefgründiger sind. Denn die breite dumme Masse der Gesellschaft, hat die Likes zur neuen Währung ausgestellt. Man muss sich oft so was anhören wie „Komisch, der Text ist eigentlich ganz gut, warum hast du so wenig Likes?“  

Als Blogger wird man gerne in eine Schublade gesteckt. Die Schublade, der arbeitslosen Menschen, die zuviel Zeit haben und sich irgendwie durchs Leben schmuggeln. Dass diese Aussage völliger Schwachsinn ist, weiß man aber erst, wenn man selbst in der Branche aktiv ist. Kaum ein Blogger hat nicht nebenbei noch mindestens zwei Jobs. Sie müssen immer auf den neusten Stand sein und natürlich auch auf allen social Media  Plattformen verfetten sein. Es gibt viele Blogger, die sich mit einem Thema mehr oder weniger beschäftigen, doch genau da ist der Knackpunkt. Wenn ein Schreiber es geschafft hat, mit einem Thema aufsehen zu erregen, wird er immer darauf reduziert. Ich habe einmal einen einen ziemlich beliebten Text über Tinder geschrieben und schon bin ich die „Tinder-Tussi“. Egal wo ich mich nun vorstelle, heißt es „Ach sind sie die Rollstuhlfahrerin, die über Tinder geschrieben hat?“ An dieser Stelle würde ich immer wieder gerne sagen: „Ja und die, die über den Nahen Osten, die Gesellschaftsstruktur in Deutschland und auch über diverse religiöse Konflikte geschrieben hat.“ Wenn man über so ein populäres Thema schreibt, fühlt es sich so an, als hätte man lediglich ein One-Hit.Wonder, obwohl alle anderen Texte mindestens genau so gut waren.   

Ich schreibe seit ca. vier Jahren kostenlos für Magazine, meinen Blog, Onlineforum und Zeitungen, nur damit ich Referenzen habe, um sie bei meiner nächsten Bewerbung hervor zu zeigen. Dennoch muss ich mir oft so was anhören wie „Und das nennst du Arbeit?“ Ja verdammt, zwei Blog´s, eine Webseite, eine Kolumne und als Autorin für andere zu schreiben, nenne ich Arbeit! Komisch, dass der Beruf Hunde-Frisörin heutzutage in der breiten Masse angekommen ist, aber der Beruf „Bloggerin“ immer noch belächelt wird. 

Aber der größte Kritiker für ein Schreiber, ist er selbst.  Manchmal bearbeitet ein Blogger einen Text so oft um, auch wenn er dafür die Nacht durchmachen muss. Schließlich hat man kaum Zeit, da man das oft "nur" Nebenberuflich macht. Aber all das gehört nunmal dazu und man muss sich bewusst werden, dass kaum jemand in die Hände klatschen wird und sagt „Das hast du aber toll gemacht.“ Man muss schon zufrieden sein, wenn es überhaupt jemand liest. Obwohl wir in einer Zeit leben, in der jeder ein vermeintlicher Blogger ist, lesen kaum noch Menschen längere Artikel.  Und falls du lieber Leser, bis zu dieser Zeile gekommen bist, kannst du ziemlich stolz auf dich sein. Doch all das ist nebensächlich, wenn ein einziger Mensch zu dir kommt und sagt „Ich habe dein Text gelesen und ich finde es gut, dass es endlich jemand ausgesprochen hat.“ Wer trotz all diesen Aspekten, die ich aufgezählt habe immer noch weiter macht und sich nicht beirren lässt, die eigene Leistung nicht von „Likes“ abhängig macht und über Jahre dran bleibt, kann sich Blogger, Schriftsteller oder Autor nennen.

Wir Schreiber werden es immer schwer haben, da kaum jemand auf den ersten Blick erkennen, dass wir auch Künstler sind.  Wir sind Wortkünstler! Ein Thema so zu formulieren, um bei anderen Menschen Interesse zu wecken, dran zu bleiben und tatsächlich darüber nachzudenken, ist Kunst. Anders als ein Maler und ein Sänger, muss man bei uns nicht nur gut sehen und hören können, sondern auch nachdenken. Die Intension für alle Schreiber ist es, andere Menschen zu erreichen, für ein Thema zu sensibilisieren und ihnen so viele Informationen wie mögliche weiter zugeben. Allein aus diesem Grund machen wird das! Wir wissen, dass man damit nicht reich oder berühmt werden, aber genau das wollen wir auch nicht. Daher haben wir uns ja auch für's Schreiben entschieden. Wir sind die Akteure, die hinter den Kulissen spielen. Wir sind die Melodie, die leise im Hintergrund zu hören ist. Wir schreibe die Worte, die ein Künstler lediglich nur zeichnet kann. All das sind wir. Vielleicht sieht man uns nicht, doch wir sind da! 

(A.J)



Montag, 27. Juni 2016

„Menschen glauben oft der Mehrheit und nicht der Wahrheit.“



Brexit hier Brexit da. Seit Tagen hört man überall in den Meiden, wie schockiert alle über den EU-Austritt von Großbritannien sind (und aktuell auch aus der EM). Doch das einzige, was wirklich schockierend war, ist das man die Einscheidung tatsächlich dem Volks alleine überlassen hat. Spätestens am Ergebnis dieser Volksabstimmung, sollte man erkennen, dass alles mit rechten Dingen vor sich gegangen ist. Denn viele politische Entscheidungen auf dieser Welt wären vermutlich ebenso katastrophal ausgefallen, wenn man es ausschließlich dem Volk überlassen hätte. Fragen wie: „Seid ihr für die Todesstrafe oder Abschiebungen“, würde die meisten Menschen mit „ja“ beantworten! (Ohne länger darüber nach zu denken.)

In der letzten Zeit hat man ständig über die Konsequenzen geredet, die nun Großbritannien nun tragen muss, aber kaum über die Gründe. Die Tatsache, dass die Briten hauptsächlich wegen der Einwanderer aus der EU raus wollten, wird nicht zur Sprache gebracht. „Die Bundeskanzlerin hat sich erniedrigt vor dem türkischen Präsidenten“, sagten viele Medien, als Deutschland ein Flüchtlingsabkommen mit der Türkei geschlossen hat. Wenn jedoch ein Land, wie Großbritannien aus der EU aussteigt, aufgrund dieses Problems, wir es oft verschleiert. 

Aktuell herrscht ohnehin schon eine getrübte Stimmung innerhalb der EU. Das einst ersehnte, grenzenlose Europa, in dem man ein Leben in Frieden und Freiheit hat, bröckelt immer mehr. Schuld sind auch hier hauptsächlich die „bösen“ Flüchtlinge. Sie wagten es aus ihren Kriegsländern zu fliehen und hier in Europa Unterschlupf zu suchen. Natürlich sind Sozialhilfen und Krankenversicherungen ein Grund für die Flucht nach Europa. Der selbe Grund, weshalb auch viele Europäer, Europa nicht verlassen würden, auch wenn sie ständig über alles und jeden jammern. Selbst die Briten, die raus sind, wollen mittlerweile wieder zurück rudern. Dies ist aber leider nicht mehr möglich.  Und die Moral von der #Brexit Geschichte ist „Menschen glauben oft der Mehrheit und nicht der Wahrheit.“  


(A:J)