Mittwoch, 8. Juli 2015

Generation „vermeidlich anders“

Mainstream war gestern, Anderssein ist in!

Es ist schon Paradox - Wie kann man einen Trend folgen, der Individualität fordert und alle dabei nur das selbe tun. Es ist heutzutage für ein Individuum eine schwierige Zeit. Alle wollen einzigartig sein und dabei wirken Sie alle doch so gleich. Der Jutebeutel, der gefüllt ist, mit veganen Produkten, die Casio Uhr am Handgelenk, die Nerd-Brille als Accessoire und nicht zu vergessen die Skinny Jeans, die natürlich aus einem Laden gekauft wurde, der mit dem Sigel „Fair-Trade“ versehen ist. Aber das ist noch nicht alles. Menschen die bis vor kurzem keinerlei Probleme hatten mit Laktoseintoleranz, können plötzlich nur noch Sojamilch trinken.  Allgemein sind alle tierischen Produkte mega „out“.  Mit dem Aussehen und der Ernährung ist es nicht getan. Nein - Das ganze Leben muss konsequent danach ausgelegt werden. Beziehungsunfähigkeit, die Suche nach sich selbst und natürlich ständig wechselnde Jobs, um sich grade noch so über Wasser zu halten, dass sind die Grundvoraussetzungen für das sogenannte „Hipster Dasein“.

Selbst für den Begriff „Hipster“ gibt es eigene Regeln. Ein Hipster bestreitet immer, dass er selbst einer ist. So wie im Film „Fight Club“, in dem es auch heißt: „ Ihr verliert kein Wort über den Fight Club.“ Genau so ist es auch bei der Trendbewegung. Diese Menschen plädieren auf Meinungsfreiheit, umweltbewusstes Leben, Toleranz und verachten den Kapitalismus. Klingt erst mal gut, oder? Doch bei nähren hinsehen, erkennt Otto Normalverbraucher, das es nicht ganz stimmt. Wenn Sie wirklich so ein Gegner wären vom Kapitalismus, dann würde nicht jeder zweite von Ihnen ein MacBook besitzen, der bekanntlich von einem gigantischen Konzern hergestellt wird. Vielleicht zelebrieren auch nur die Marke „Appel“ , da sie davon ausgehen, dass es „Bio Apfel“ ist, der das Gerät schmückt. Selbst bei der Toleranz gibt es da einige Lücken. Es gibt in fast jedem Fastfood Restaurant ein Veggi-Bürger, doch in keinem Veggi-Laden, existiert eine „fleischige“ alternative. Hat jemand schon mal darüber nachgedacht? Ist das nicht auch eine Form der Diskriminierung? Vielleicht empfinden das viele nicht so, doch mit so was fängt es an. Man könnte es mit einer neunen Religion vergleichen. Andere „Nicht-Veganer“ werden bekehrt, ihre eigene Lebensweise drängt sie einem auf und ein schlechtes Gewissen wird bei all denen verbreiten, die diesen Trend nicht mitmachen.

Für Menschen, die wirklich schon immer „anders“ waren, ist das ganze nicht mehr lustig. Jahrelang sind sie es gewesen, die den Trends aus den Weg gegangen sind und heute werden genau sie nachgeahmt. Als wäre es eine Art Boykott, von allen ehemaligen Trendsettern. Es ist einfach nur noch nervig, ständig mit diesen Leuten in Verbindung gebracht zu werden, wenn man etwas nicht „gewöhnliches“ tut. Du kannst nicht mal mehr ein Jutebeutel tragen, ohne als Hipster bezeichnet zu werden, obwohl du vielleicht schon seit Jahren einen mit dir trägst. Für Flohmarktliebhaber ist es ganz hart. Früher war man mit all den älteren Menschen alleine auf so einem Flohmarkt, doch nun tummelt sich die Generation „ vermeintlich anders“ dort. Egal wo du hingehst, ein Hipster war immer schon vor dir da. Sogar in alte, abgeschottete Cafés kann man sich nicht mehr in Ruhe hinsetzten, da es immer irgendein Hipster es gibt, der das ganze so „retro“ findet und den Charme dieses Cafés damit zerstört! 


Es ist völlig ok, wenn einige Menschen eine  Affinität zu etwas entwickeln, doch wenn, dann sollte es aus Überzeugung passieren und nicht, weil ein Trend es befiehlt. Wo bleibt bitte da die Individualität ? Wenn alle gegen den Strom schwimmen, entsteht irgendwann ein Damm, der nichts mehr durchlässt. Wollten wir wirklich in einer Zeit leben, in der Individualität zu einem Massenprodukt umfunktioniert wird?  

(A.J)